Die Kirche San Giacomo im Ortsteil Villanova steht auf einem Hügel etwa einen Kilometer vom Ortskern entfernt; von dort aus überblickt sie die Landschaft und bietet einen atemberaubenden Blick auf den Fluss Tagliamento. Heute wirkt die Kirche einsam und von Stille umgeben, doch die Umgebung sah einst ganz anders aus.
Das Gebäude stammt aus den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts und ist damit wahrscheinlich das älteste einer Gruppe zusammengehöriger Landkirchen in der Umgebung, die vollständig aus Steinquadern errichtet wurden. Vergleichende Untersuchungen der Universität Udine haben die Kirche San Giacomo mit anderen religiösen Bauten der Region – wie San Martino in Rive d’Arcano, Sant’Andrea sul Picaron und Santa Maria Assunta – in Verbindung gebracht und sie aufgrund ihrer Bautechniken und Materialien derselben historischen Epoche zugeordnet.
Seit ihrer Gründung war die Kirche den Heiligen Aposteln Philippus und Jakobus geweiht. Einigen Forschern zufolge könnte ihr Bau mit der Jakobusbruderschaft in Verbindung stehen, die im Mittelalter Reisende unterstützte sowie Straßen, Brücken und Herbergen entlang der örtlichen Verkehrswege instand hielt. Ihr Baustil – der über die Jahrhunderte hinweg im Wesentlichen unverändert geblieben ist – zeichnet sich durch einen einfachen rechteckigen Saal mit einer freistehenden, halbkreisförmigen Apsis aus.
Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Kirche stammt vom 14. April 1350; in ihrem Testament vermachte Pellegrina – die Witwe des Ser Valtero Poppo aus San Daniele – der Kirche San Giacomo eine gewisse Menge Öl für die Beleuchtung. Dasselbe Dokument nennt zudem die Kirchen Santa Maria di Villanova und San Bartolomeo in Aonedis. Im Jahr 1412 diktierte Guarnerio (Sohn des verstorbenen Martino d’Albazzana) sein Testament in der Kirche der Heiligen Philipp und Jakob im Beisein zahlreicher Zeugen aus der Umgebung, was die zentrale Rolle des Gebäudes für das Leben der Gemeinde unterstreicht.
Im 15. Jahrhundert war die Kirche Ziel einer besonderen jährlichen Prozession, die am 1. Mai von der Pieve di San Daniele organisiert wurde. Historische Aufzeichnungen belegen zudem Spenden und Vermächtnisse – etwa jenes von Nicolò, dem Sohn des Giacomo Comanini, aus dem Jahr 1437; er verfügte die dauerhafte Verteilung eines Eimers Wein an die Prozessionsteilnehmer. Im Jahr 1492 erwarben die Kirchenverwalter ein Grundstück – ein Zeichen für das Vermögen und die eigenständige Verwaltung der Kirche.
Nach den durch das Erdbeben von 1976 verursachten Schäden wurde die Kirche umfassend restauriert: Die oberen Mauerpartien wurden verstärkt und das Dach erneuert. Durch das Entfernen der über die Jahrhunderte hinweg aufgetragenen Putzschichten kamen das ursprüngliche Mauerwerk – mit in horizontalen Schichten verlegten Steinquadern – sowie die eleganten, mittelalterlichen Einzelfenster zum Vorschein, die einst den Innenraum erhellten. Leider gingen bei diesen Arbeiten einige Spuren von Außenfresken verloren.
Der schlichte, intime Innenraum beherbergt einen kleinen Holzaltar sowie ein hölzernes Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert. An der linken Wand befindet sich ein Andachtsfresko aus dem Jahr 1860, das die Jungfrau Maria mit den Heiligen Rochus und Jakobus darstellt; es wurde 1985 von der Außenfassade eines Hauses in der Via Zara hierher versetzt. Im Jahr 1996 wurde eine Skulptur des Heiligen Jakobus von Franco Maschio aufgestellt, während die Wand über dem Altar 2016 mit einem Gemälde von Paolo Orlando geschmückt wurde, das die Madonna mit dem Kind sowie die Heiligen Hermagoras, Fortunatus, Laurentius und Florian zeigt.
Historischer Hintergrund
Im Mittelalter befand sich nahe der Kirche ein bedeutender Flusshafen am Tagliamento, der als wichtiger Umschlagplatz für den Holztransport aus den Karnischen Alpen diente. Das Flussbett – das sich zwischen Villanova und Spilimbergo über eine Breite von bis zu drei Kilometern erstreckt – war und ist einem ständigen Wandel unterworfen; wechselnde Flussläufe, Kies- und Sandbänke sowie eine sich stetig verändernde Vegetation machten die Überquerung äußerst schwierig. Die Wege verlagerten sich nach jedem Hochwasser, und die Navigation war anspruchsvoll, weshalb die Unterstützung durch fachkundige Führer unerlässlich war.
In diesem Gebiet waren spezialisierte Frachttransporteure tätig: Fuhrleute, Treiber von Lasttieren und menschliche Lastenträger. Die Kirche San Giacomo diente ihnen als wichtiger Orientierungspunkt – als Ort des Schutzes und der Rast, bevor sie sich den Gefahren des Flusses stellten. In der Nähe entstand die Ortschaft Albazzana, die diesen Arbeitergemeinschaften zur dauerhaften Heimat wurde. Bis ins letzte Jahrhundert hinein galt Albazzana als eigenständige Siedlung, getrennt von Villanova, wobei die Kirche als religiöser Mittelpunkt fungierte.